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Bildbeschreibung und Interpretation

Im Tunnel, Silja Korn
Das Bild ist eine Fotografie von einem Tunnel, wie er oft in U-Bahnhöfen zu finden ist. Das ganze Motiv ist um 45° nach rechts geneigt.
Der Durchgang ist hell erleuchtet, durch Strahler in der Mitte der Decke, einem sehr hellen Lichtband in der Decke am rechten Rand und blauen Strahler im Boden. Der Boden ist mit großen, hellen Fliesen belegt, genau wie die Wände.
In der linken Wand sind schmale senkrechte Fenster aus Glasbausteinen, die unterschiedlich hoch sind. Die Mittelpunkte liegen auf einer Höhe. Über diesen Fenstern spiegeln sich die Strahler der Decke und das Lichtband. Auf der rechten Wand erscheinen kurz über dem Boden die Reflexionen der blauen Bodenstrahler. Weiter hinten in dem Durchgang sind Menschen zu erahnen. Dort weitet sich auch der Gang.

Der Blick durch das Kaleidoskop

>>Wenn man in einem Tunnel steht<<
Wenn man in einem Tunnel steht
Und jede Orientierung fehlt
Dann kommt es darauf an,
Ob wir zurückgehen oder voran

Ich? Ich habe einen Plan und ein Ziel
Nur red´ ich mit mir selber und das eindeutig zu viel „Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor“
Das kann doch gar nicht wirklich sein
Selbst Faust fällt keine Lösung ein
Und wieder beginne ich Fragen zu stell´n
Auf die ich keine Antwort kenn:
Was kommt vor dem Beginn
und was war nach dem Ende?
Wozu hab ich Arme?
Wozu hab ich Hände?
Was ist wenn ich in einem Tunnel stehe
Und den Ausgang vor mir sehe?
Kommt es dann darauf an
Ob ich zurück gehe oder voran?

Wir werden doch alle geboren, fangen an zu reden
Beginnen zu laufen, fangen an uns zu bewegen
Entdecken die Welt und fangen an zu leben

Wir gehen zum ersten Mal zur Schule hin
Das was wir lernen ist ohne Sinn
Deshalb laufen wir immer weiter
Denn beim Laufen wird die Luft noch leichter
Und wir kennen unser Ziel,
wir kennen unseren Plan
wir wissen wer wir sind
wir wissen wer wir war´n
denn wir rennen und hören einfach nicht auf
und so nimmt die Zeit ihren Lauf

Dann gehen wir zum ersten Mal zur Uni hin
Doch was wir lernen ist auch ohne Sinn
Deshalb laufen wir immer weiter
Weiter bis wir wieder heiter,
lachen und es weiter geht
zum Träumen ist es nie zu spät
Denn ich habe einen Plan und ein Ziel
Nur red´ ich mit mir selber und das ein bisschen zu viel

Irgendwann fallen wir hin
Fühlen den Aufprall bis ins Kinn
Eigentlich macht Laufen ja Spaß
Aber dieser Fall war so hart,
dass ich jetzt aufhören sollte, meine Zeit zu verschwenden
mit inhaltslosen Bewegungen und grazilen Wenden
und wir rennen nicht mehr, hören einfach auf
und so nimmt die Zeit ihren lauf
Dann gehen wir zu ersten Mal zu Arbeit hin
Doch das was wir machen ist ohne Sinn
Später versuchen wir es nochmal mit dem Laufen
Denn der Alltag wir langsam zu viel mit den Haufen
An Pflichten und Verantwortungen, die man trägt
Doch zum Laufen
Ist es jetzt zu spät.
Wir merken dass wir älter sind
Und gehen nicht mehr zu Arbeit hin
All das Arbeiten war ohne Sinn
Und wir denken oft an die Vergangenheit
Sind traurig dass sie Vergangen bleibt
Schließen unsere Augenlieder
Sehen uns laufen immer wieder
Fallen wir hin
Und stehen doch auf
Ich wusste wer ich bin
Und was ich wollte auch
Ich hatte einen Plan und ein Ziel
Jetzt rede ich nur noch mit mir selber und das eindeutig zu viel

Ich stapfe ohne Licht
Durch die Reproduktion der Gedanken meines eigenen Ichs
Hab ich mich jetzt wirklich verlaufen? Kann mir jemand sagen wo ich bin?
Ich irre hier schon seit Stunden rum und suche nach dem Sinn
„Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor“
Jahrelang hab ich nur bereut
Dass ich nicht mehr laufe selbst bis heut
Beginne ich mir Fragen zu stell´n
Auf die ich keine Antwort kenn
Was ist wenn ich in einem Tunnel stehe
Und den Ausgang vor mir sehe?
Kommt es nicht darauf an
Ob ich zurück gehe oder voran

Also renne ich fort
Ganz hektisch an einen anderen Ort
Meine Brust hebt und senkt sich
„Ich hab´s gleich geschafft“, denk ich
Jedoch ist mir ganz genau klar
Ich bin nicht gleich da
Um mich herum beginnt sich die Nacht zu zersetzen
Ich fühle mich so als würde mein Körper zerfetzen
Meine Schritte werden weit
Und eine Stimme schreit:
„Du verlierst nur immer mehr die Orientierung,
das ist dir klar?
Weißt du wo du bist?
Weißt du was das ist?
Weißt du wer du bist
Weißt du wie du bist?
Bist du glücklich?
Wenn ja, sag es ausdrücklich!“
Mein Gerenne durchsetzt die Stille
Noch einmal greife ich all meinen Wille
Und meine Schritte werden weit
Und eine Stimme schreit:
„Du verlierst nur immer mehr die Orientierung,
das ist dir klar?
Weißt du was du eben sahst?
Weißt du wo du bist?
Weißt du was das ist?
Weißt du wer du bist
Bist du glücklich?
Wenn ja, sag es ausdrücklich!“
Mein Gerenne durchsetzt die Stille
Noch einmal greife ich all meinen Wille
Mein Kopf ruft und fragt:
„Was willst du? Mh? Sag?“
„Bleib stehen das ist keine Gefahr
Doch Ich laufe lieber fort,
ohne mich ist die Welt ein besserer Ort“
„Bleib!“ –
Also ich dreh mich um
Und wechsele die Richtung
Denn wenn man in einem Tunnel steht
Und jede Orientierung fehlt
Dann kommt es darauf an
Ob wir zurückgehen oder voran

Dann suche ich in meinen Gedanken denn
Ich will mich bei der Stimme bedanken
„Bevor du mich wieder verlässt will ich dir danke sagen!“ „Ich hab und werde dich nie verlassen du kannst mich immer

fragen“
„Warum bleibst du?“
Ich habe einen Plan und ein Ziel
Nur rede ich mit mir selber und das eindeutig zu viel
Ich meine, ich bin verrückt
Denn ich?
Ich renne weg vor meinem eigenen Glück.“

Von Valerie Schippers

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