Silja, nicht nur für Behinderte
Hallo, schön das Du diese Seite gefunden hast.
Ich bin blind, solltest Du wissen.
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Seit meiner Geburt habe ich einen Sehfehler.
Dieser wurde durch Ärzte herbeigeführt.
Mit 12 Jahren hatte ich einen Unfall.
Dabei entstand eine Verletzung im Augenhintergrund,
die von den Ärzten auch nicht bemerkt wurde.
Mit 17 wurde ich dann entgültig blind.
Meine schulische Bildung
habe ich mit der mittleren Reife abgeschlossen.
Mein Berufswunsch war damals
ein Katalysator zwischen Sehenden und Blinden,
sowie anderweitig Behinderten zu sein.
Aus diesem Grund ergriff ich den Beruf Erzieherin.
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Wer bin Ich ?
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Wer mich nicht kennt, weiß nicht was sonst noch in mir vorgeht. Daher möchte ich dies hiermit auf den Nenner bringen. Ich: 1,58 Cm groß, braunrotes Haar und schlank, blind auf beiden Augen, geboren in Berlin, evangelisch und verheiratet; ein Kind. Manchmal denke ich über diese Adjektive und Verben und Nomen nach, frage mich dann, was sie für mich bedeuten? Zuerst frage ich mich, wer bin ich eigentlich wirklich? Wie so hatte meine Mutter diese Eingebung mich ausgerechnet (Silja) zu nennen? Wer hat ihr dies vorgegeben? Wieso bin ich meinen jetzigen Mann damals über den Weg gelaufen? Wer hat uns zusammen geführt? Vielleicht gibt es doch so etwas wie einen Gott? All diese Fragen bewegen mich so oft! Manchmal stelle ich mir vor, ich wäre nicht zu früh auf die Welt gekommen und wäre ein ganz normales Baby gewesen. Hätte nicht im Brutkasten hochgepäppelt werden müssen, und hätte dadurch nicht mein Augenlicht einbüßen müssen. Ja, was aber wäre wenn man damals keinen Brutkasten gekannt hätte? Ich wäre wahrscheinlich gestorben! Vielleicht aber lag es auch daran, das meine Mutter schon ganz früh wußte, das sie, wenn sie ein Töchterchen zur Welt bringt es (Silja) nennen wird! Wer es nicht weiß, das Silja von Cecilie abstammt, dem möchte ich dies hiermit berichten. Cecilie ist die Schurzpatronin der Blinden. Daher glaube ich es auch nicht, das es ein Zufall war, das meine Mutter mich (Silja) nannte! Vielleicht, sollte ich auf dieser Welt etwas in Bewegung bringen? Nur leider ist mir heute noch nicht so recht klar, was es sein sollte? Ja, hätte ich also nicht diesen Namen bekommen, vielleicht würde ich jetzt noch sehen können? Denn meine Schwester ist auch ein Brutkastenkind gewesen und kann sehen! Wie oft hatte ich mir damals gewünscht, das es mir genauso ergangen wäre, wie ihr! Habe mich schwer mit diesem Schicksal abfinden können. Ich denke, wenn ich nicht noch mit 11 Jahren auch noch diesen verdammten Autounfall gehabt hätte, wäre ich mit dem was mir von dem, was ich damals noch sehen konnte geblieben, würde ich heute mich viel glücklicher fühlen! Aber vielleicht werde ich noch erfahren, warum ich völlig erblinden sollte! Auch das ich meinen Mann damals auf dem U-Bahnhof kennen gelernt habe, ist sicher auch kein Zufall! Wer steckt dahinter? Mein Mann, wollte damals nie ein Kind, doch mit mir wollte er es dann nach drei Monaten schon, die wir erst zusammen waren. Es ging dann auch recht schnell, das wir Vater und Mutter wurden. Damals hatte ich mich sehr oft gefragt, ob das wirklich die richtige Entscheidung sei? Mein Mann so ein Einzelgänger und ich so eine lebenslustige Frau! Wie oft habe ich mich gefragt: "Was der, den wir Gott nennen, damit bezwecken will? Leider bin ich noch immer nicht dahinter gekommen! Vielleicht werden wir es erfahren, wenn unser Sohn selbst sein eigenes Leben lebt, was unsere Aufgabe in dieser Welt gewesen ist! Bis dahin werde ich das Beste daraus machen und mich bemühen mein Leben so gut wie möglich zu leben. Und mich nicht an Dingen festhalten, die nicht für mich bestimmt sind: z. B. (hätte) oder wäre)! So werde ich nie im Inneren einen Frieden erfahren.
Silja
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Meine Welt ist nicht dunkel, sie ist kunterbunt.

Etwa 155 000 Menschen in Deutschland sind blind.
Bericht aus der Zeitschrift "Tina" vom 23.05.2002
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Mit 13 Jahren verlor Silja ihr Augenlicht - und nichts war mehr wie früher. Wie die junge Frau heute ihren Alltag mit Mann, Sohn und Beruf meistert, erählt sie hier. Ein Unfall vor mehr als 20 Jahren veränderte Silja Korns Leben. Nicht von heute auf morgen. Sondern schleichend und unwiderruflich. "Innerhalb eines Jahres war ich fast blind", erzählt Silja (*36). Als Elfjährige wurde sie von einem Auto angefahren. Dabei erlitt sie eine schwere Gehirnerschütterung - und innere Augenverletzungen. "Aber letzteres haben die Ärzte nicht erkannt", so die Berlinerin. Erst ein Jahr später wurden ihre Augen operiert. Zu spät! Siljas Augenlicht war nicht mehr zu retten. Innerhalb der nächsten eineinhalb Jahre verlor sie auch noch die letzten fünf Prozent Sehkraft. "Ich habe viel geweint und hatte wahnsinnige Angst davor, von anderen Menschen abhängig zu werden", erinnert sich Silja. Sie konnte und wollte sich mit der neuen Situation nicht abfinden. "Anfangs habe ich mich zum Beispiel einfach gesträubt, die Blindenschrift zu lernen." Denn da war immer die Hoffnung in ihr: "Vielleicht kann ich eines Tages doch wieder sehen." Trotz ihrer inneren Abwehr tastete sie sich langsam an ihr neues Leben heran. Ein Aha-Erlebnis war das Mobilitätstraining in der Blindenschule. Dort lernte die damals 15-Jährige, sich mit Hilfe des langen, weißen Blindenstocks sicher fortzubewegen, Geräusche im Verkehr zu unterscheiden und alleine Bus und U-Bahn zu fahren. "Es war ein tolles Gefühl, richtig befreiend." Die neue Freiheit, die sie sich Schritt für Schritt eroberte, machte Silja Mut, gab ihr Selbstbewusstsein. Das brauchte sie auch, um später ihren Traumberuf Erzieherin zu verwirklichen. Das war nicht einfach. Denn: "Eine blinde Erzieherin hatte es bis dahin noch nicht gegeben", sagt Silja. Nach langem Suchen fand sie schließlich einen Ausbildungsplatz. Heute arbeitet Silja halbtags in einer Kindertagesstätte. Wer sie hier besucht, merkt sofort: Ihre Welt ist kunterbunt. Die Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zwölf Jahren sorgen für jede Menge Trubel. "Da es hauptsächlich ausländische Kinder sind, ist es manchmal schwer, sie an ihrer Stimme zu erkennen. Deshalb muss mir jedes Kind seinen Namen sagen und mir die Hand geben, wenn es kommt." Eine große Hilfe ist Silja auch ihr ausgeprägter Geruchssinn. Damit kann sie die Kinder unterscheiden. Wie jede andere Erzieherin liest sie den Jungen und Mädchen Geschichten vor, spielt mir ihnen. "Die Kartenspiele haben zum Beispiel fühlbare Punkte, damit ich die einzelnen Karten erkennen kann." Solche Orientierungspunkte gibt es auch in Siljas Wohnung, und zwar an den Herdknöpfen. "So weiß ich, wie hoch ich das Gas eingestellt habe", sagt Silja. Den Tipp bekam sie von Michaela Franke (*34 ). Die Reha-Lehrerin für lebenspraktische Fertigkeiten zeigt stark sehbehinderten und blinden Menschen, wie sie mit simplen Tricks im Haushalt allein zurechtkommen können. Auf die Idee, sich Hilfe zu holen kam Silja, weil sie Angst vor Feuer hatte und deshalb nicht gerne auf dem Gasherd kochte. Und auch beim Bügeln lief nicht immer alles reibungslos. "Dabei ist es gar nicht schwer. Man muss einfach nur eine Naht als Orientierungshilfe nehmen, bahnenweise vorgehen und immer wieder vorne ansetzen", erklärt Michaela Franke. Dank ihrer Hilfe gibt es jetzt keine Falten mehr beim Bügeln, kocht und backt Silja immer häufiger leckere Gerichte. Um letzteres hatte sich früher ausschließlich ihr Mann Guido (*39), von Beruf Koch, gekümmert. Kennen gelernt haben sich die zwei vor fast 14 Jahren in der U-Bahn. "Es war schon spät. Wir warteten beide auf den nächsten Zug, kamen ins Gespräch", erzählt Guido. "Ich fragte sie, ob sie schon mal versucht habe, mit Schwedenkräutern ihre Augen zu behandeln." Er gab Silja seine Telefonnummer und mit der Zeit freundeten sie sich an, wurden ein Paar. "Silja ist sehr einfühlsam, kann gut zuhören und erkennt schon am Tonfall einer Stimme, wie es jemandem geht", sagt Guido. Im Juni 1991 heirateten die beiden, ein paar Monate später wurde Sohn Fabian geboren. "Anfangs hatte ich Angst, dass ich ihn beim Füttern mit dem Löffel weh tun könnte, aber er hat mir instinktiv schon den Mund hingehalten", erinnert sich Silja. Füttern, Wickeln, Baden - letztlich alles kein Problem, es dauerte halt nur etwas länger. Wie auch sonst im Haushalt, wo alles seine Ordnung haben muss. "Damit Mama sich zurecht findet und nicht erst lange suchen muß", sagt Fabian (*10). Obwohl Silja ihren Alltag so bewundernswert meistert - ihre Blindheit zu akzeptieren, fällt ihr nicht immer leicht. "Ich habe mich damit arrangiert", sagt sie ehrlich und ohne jegliche Verbitterung. (* Zur Zeit des Interviews)
Bildbeschreibungen in Reihenfolge der Bilder:
Auf ihr Äußeres legt Silja viel Wert. Sie schminkt sich und
liebt Düfte.
Im Bad stehen über 100 Fläschchen Parfum
Eine glückliche Familie: Silja mit ihrem Mann Guido und ihrem zehnjährigen Sohn Fabian.
Jeden Tag fährt die Erzieherin mit der U-Bahn zur Arbeit nach Schöneberg.
Mit der Stenomaschine macht sich Silja Notizen während des Telefonats.
Michaela Franke hat der 36- Jährigen die Angst vor dem Feuer genommen.
Hier gibt es weitere Infos über den ABSV:
Hilfe erhalten Sehbehinderte unter Tel.: 01805 / 666 456
Internet: www.dbsv.org oder www.absv.de
Warum hier nur Sehbehinderte Hilfe bekommen sollen, ist mir schleierhaft.
Dem ist naürlich nicht so.
Allgemeiner Blinden-und Sehbehindertenverein Berlin 1874 eV.
Auerbacher Straße 7 14193 Berlin Telefon: 030 / 895 88-0
Telefax: 030 / 895 88 99
www.absv.de
E-Mail: info@absv.de
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Auf anderen Seiten
Veröffentlichungen und Aktivitäten
Zeitungsberichte über die Staatliche Anerkennung als Erzieheren. (1989)
Bericht in der Zeitschrift "Tina" (23.05.2002)
Bei der Aufführung der Inszenierung
"Die Nacht der 1000 Fragen" im Zeughaus/Berlin
spielte ich die Blinde. (2003)
Gespräch über die Belange Behinderter wurde im Radio übertragen. (2003, 2004)
Im laufe der Zeit wurden zwei Dokumentationsberichte über "Behinderte",
in denen ich mitwirkte, wiederholt im Fernsehen gezeigt. (2004, 2005)
Bei "Vera am Mittag" war ich eingeladen. (2005)
Bei der Aktion in Berlin "Blinde fahren Auto" wurde ich gefilmt. (2005)
Ein Bericht über die Aktion wurde in den Nachrichten gezeigt (2005)
Seit 2002 leite ich eine Gruppe behinderter Mütter,
in der wir erfahrene Lebenssituationen erörtern,
die an eine behinderte Mutter/Frau
in Familie und Gesellschaft gestellt werden.
Anforderungen begegnen. Wege finden.
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